Klimaprojekt: In Weikersheim und Niederstetten wurden wassersparende Gemeinschaftsbeete vorgestellt.
Sie könnten sich zu perfekten Vorbildern für viele Anbauflächen entwickeln:
autarke Hochbeete, wie sie jüngst fast zeitgleich in Weikersheim und Niederstetten der Öffentlichkeit vorgestellt wurden.
Es ist ein bunter Strauß von Ideen und Bedürfnissen, die bei der Gestaltung der wasserautarken Hochbeete gebündelt wurden. In kommunalen Gemeinschaftsgärten und bei Initiativen wie der „Essbaren Stadt Andernach“ wird schon längst gemeinschaftlich gegärtnert. Großstädte versuchen, mit Begrünung und Wasserspendern dem Hitzestau zu begegnen. Schwammstadt-Projekte wollen Schutz vor plötzlich hereinbrechenden Wassermassen ebenso bieten wie vor Hitze- und Dürreperioden. In afrikanischen Trockenregionen stellen deutliche Ertragssteigerungen die Vorteile der Anstaubewässerung unter Beweis – und in Stuttgart-Hohenheim entwickelt die Staatsschule für Gartenbau auf einem Versuchsfeld Anpassungen an unterschiedliche Bedürfnisse.
Vor dem Beetbau viele praktische Erfahrungen gesammelt
Jede Menge praktische Erfahrungen mit dem Verfahren konnte bereits der Weikersheimer Hans Hartung (Grüner Ortsverband Oberer Bezirk) sammeln. Gemeinsam mit Michael Ernst, dem auch aus Fernsehsendungen bekanntgewordenen Leiter der Hohenheimer Gartenbau-Staatsschule, setzte er im zentralafrikanischen Burundi erste, auf Entwicklungen des Ingenieurs und Gewächshausplaners Gerhard Reisinger fußende Anstaubewässerungs-Projekte um. Im Weikersheimer Privatgarten nutzt Hartung erfolgreich das Prinzip des durch ein Vlies verlangsamten Wasserabflusses in ein darunter liegendes Sammelbecken im eigenen Hochbeet. Die verdunstungsarme Wurzelbewässerung erfolgt durch eine mit Solarstrom betriebene Pumpe von unten.
Die Idee steckte an: In Weikersheim machten sich die Gemeinderatsfraktion GO! (Grün und Offen) gemeinsam mit ihrem Unterstützerkreis und dem Grünen Ortsverband stark für das gemeinschaftsfördernde Mitmach- und Begegnungsprojekt. Schon im Entstehen vernetzte das Projekt weiter: Die Schlossgärtnerei stellte das Substrat, bei der Bepflanzung zur Eröffnung machten sich die Anwesenden mit bloßen Händen gleich daran, eigenen und den vom Leiter der Hohenheimer Hochschule mitgebrachten Pflanzen gute Startbedingungen zu verschaffen.
Klimamanager lobt „Schwammstadt im Kleinen“
Als „Schwammstadt im Kleinen“ lobte Weikerheims Klimamanager Andreas Fischer-Klärle, der auch Grüße von Bürgermeister Nick Schuppert überbrachte, das neue Hochbeet am Weinmarkt. Wie die anfangs belächelten, mittlerweile zum Baustein der Energiewende gewordenen Balkonkraftwerke könnten die Hochbeete Baustein der kommunalen Klimawende werden.
Mit den unterm Hochbeet gesammelten drei- bis fünfhundert Litern Regenwasser seien die über einen längeren Zeitraum erntbaren Pflanzen gut versorgt, so Dr. Michael Ernst, der einige Pflanzen aus Stuttgart-Hohenheim mitgebracht hatte. Mit der an Hitzetagen kühlenden Zusatzbegrünung und Naschgemüse aus dem Hochbeet dürfte sich der Weinmarkt schnell zu einem zusätzlichen Mitmach- und Begegnungsort entwickeln.
In Niederstetten war es Andreas Tischler, der nicht nur den von ihm organisierten dortigen Grünen Stammtisch, sondern auch Bürgermeister Sebastian Mayer und Auszubildende von der Firma ebmpapst für das Projekt begeisterte. Mayer, der dem Projekt mit einer großzügigen Spende unter die Arme griff, verwies auf die hohen und von der Stadt aktuell nicht zu stemmenden Pflegekosten für die Blumenkübel. Dass ebmpapst-Auszubildende die Niederstettener Hochbeete bauten und Timo Pflüger, Ausbildungsleiter des Betriebs, aus dessen Nachhaltigkeitsbudget die Materialkosten für zwei Beete übergeben konnte, quittierten die Initiatoren ebenso wie der Bürgermeister mit Begeisterung. Selbst Fans der einst bunten Blumenkübel dürften sich über den Zuwachs an nachhaltigem Grün in der Stadt ohne Belastung für den kommunalen Haushalt freuen.